Die S-Bahn hat es mal wieder geschafft mir einen Abend zu versauen. Als S-Bahnfahrender kennt man die Standard Vorfälle "Personenschaden" oder "Notarzteinsatz". Warum es bei der S-Bahn hierfür keine Standardpläne gibt ausser Totalversagen ist mir einfach unbegreiflich.
Aber nun zur vom geneigten Leser mit Spannung erwarteten Story. Ich war heute mit einigen kultursüchtigen Mitmenschen im Kino. Ich sag nur 2 Haare auf dem gelben Kopf und eine Flasche Duff Bier. Punkt 22:37 Uhr betrete ich den Bahnsteig des Hauptbahnhof in München. Das war der Fehler. Die zu hauf vorhandenen Anzeigetafeln verkünden: "Bitte Zugaufschrift lesen!" Als Gehörloser wäre man da schon wieder total verarscht worden oder nennt man das Diskriminierung, grübel ... Der Grund ist, das eine nette Stimme per Lautsprecher verkündet, das zwischen dem Hauptbahnhof und Pasing nur die Strassenbahn 19 fährt, da die S-Bahn eben nicht fährt. Hm also los geht die Jagt nach dem richtigen Schild der den Ausgang zu Linie 19 Verrät. Dort angekommen nur noch 6 Min bis zur nächsten. Ok kann man akzeptieren. Der Bahnsteig gut gefüllt von vorne bis hinten. Aber warum stehen die netten hilflos drein blickenden Menschen von der MVG so weit vorne am Bahnsteig. Klar, weil nur maximal die hälfte des Bahnsteigs von einer Tram abgedeckt wird. Gut ich vorgearbeitet und einen guten Startplatz gesichert. Tram kommt, panikartige Massenflucht in Richtung Tram. Ups, die is ja schon überfüllt. Die MVG Menschen schaffen es nach einiger Zeit die arnachistisch anmutenden Kampfhandlungen im Eingangsbereich der Tram mit Argumenten zu beruhigen. Die Tram ist weg und die Anzeigetafel verrät, schon in 18 Min nächste Tram. Nun hab ich am Rande von dem MVG ler erfahren, das das Problem ist, das die MVG zu wenig Leute und Fahrzeuge hat um per Tram das zu stemmen, aber die S-Bahn auch keinen Schienenersatzverkehr bestellt hat, den sie zahlen müsste. Warum muss ich da an die Worte "Geldgier", "Börsengang" und "Telekomaktionäre" denken ... Gut also warten... Nebenbei war noch zu erfahren, das die MVGler offenbar keiner Infos von der S-Bahn bekommen haben wann wer wie wo usw. Aber das Informationsthema sollte noch besser kommen. Und dann das Wunder. Es gibt noch gute Menschen, die wohl auch schlau sind. Denn irgendjemand hat rausbekommen, dass um 2320 Uhr ein Zug MUC AGB fährt, der in Pasig hält. Also der ganze Bahnsteig losgerannt und den Zug gestürmmt. Und dann gleich das zweite Wunder, er fuhr pünktlich ab. Damit aber genug der Wunder, denn die nächste Infopanne in Persona eines Fahrkartenkontrolleurs baute sich vor mir auf und wollte meine Zugkarte sehn. Die wilde Diskussion zwischen ihm mir und dem Rest der nicht S-Bahnfahrer entkahm er nur mit einiger Mühe. Gut in Pasing um 2325 Uhr angekommen und nach Durchsage auf dem richtige Bahnsteig, ja die Gehörlosen haben auch hier verloren. Ca. 2326 Uhr die Durchsage die den ersten Lacher und Applaus verursachte lautete: "Die S5 nach Herrsching um 2338 Uhr entfällt, nächste Zug um 2358 Uhr". Ein Wort das man auch des öffteren gehört hat fängt mit "Sch" an und beschreibt eine weiche braune Masse. Also mal wieder warten ... Aber der Spass ist nicht zu Ende, einen hab ich noch. ca. 2350 Uhr Durchsage für unsere hörenden Mitbürger: "Die S5 nach Wessling um 2358 Uhr hat vorraussichtlich 15 Min Verspätung." Ok das war dann auch noch falsch, es waren 18 Min aber wen stört das schon. Also ich glaub ich werde keine Bahnaktien kaufen.
Also wir fassen nochmal zusammen:
1. Es gibt offenbar keinen Plan für Standardnotfälle
2. Partner und Mitarbeiter werden nicht informiert
3. Gehörlose werden diskiminiert
4. Schienenersatzverkehr ist zu teuer
5. Für die 20 Min Strecke Hauptbahnhof Harthaus habe ich heute satte 117 Min gebraucht
Ich hab meinen ersten Termin nachher im Büro abgesagt, weil ich meinen Kollegen die Folgen der Kundenbehandlung durch die S-Bahn nicht antuen will.